Das Bruderduell - Erik und Kawika Shoji (Fotos: Fiebig und Kuzina)

Knapp 12.000 km liegen zwischen der Heimat von Kawika Shoji – Zuspieler und Lenker des Deutschen Meisters Berlin Recycling Volleys- und seinem jetzigen Wohnort Berlin. Am Samstag muss der gebürtige Hawaiianer weitere 200 km zurücklegen, um in der Jahrhunderthalle Spergau zum ersten Mal ein Bundesligaspiel gegen seinen Bruder Erik – Libero und Abwehrstratege bei Chemie Volley Mitteldeutschland – auszutragen. Ein Katzensprung quasi für eine Familienzusammenführung auf globaler Ebene. Interessant dürfte an diesem Abend werden, ob sich die Erfahrung des 25-jährigen Spielgestalters aus Berlin oder die jugendliche Frische des wieselflinken Abwehrorganisators aus Spergau durchsetzen wird.

Die sympathischen Brüder aus Honolulu haben beide an der Stanford University studiert und wechselten nach erfolgreichen Jahren in ihren Collageteams in die Deutsche Bundesliga. Kawika legte dabei noch ein einjähriges Intermezzo in Finnland ein, bevor er 2012 auf Anhieb mit den BR Volleys Deutsche Meister wurde. Erik dagegen kam auf direktem Wege nach Mitteldeutschland und wählte, sicher auch aus Gründen der räumlichen Nähe zu Berlin, die Piraten als Einstiegsverein für seine Volleyballkariere. Die Zielstellung für beide ist klar: Der Ältere strebt mit der Hauptstadttruppe die erfolgreiche Titelverteidigung an und will auf internationaler Ebene die Gruppenphase der Champions League überstehen. Erst am Mittwoch gastierten die Berliner beim Montenegrinischen Meister Budvanska Rivijera Budva und lieferten sich eine 2-Stundenschlacht, um letztlich als glücklicher 3:2-Gewinner vom Platz zu gehen. Matze Münz, Chefcoach der Piraten, versprühte nach dem Berliner Auftritt an der Adria und dem soliden 3:0-Erfolg der Spergauer in Dresden gesunden Optimismus für die Samstagpartie: „Es wird sicher nicht leicht für die Berliner, sich nach einem emotionalen Höhepunkt wie die CL schnell wieder auf den grauen Bundesligaalltag einzustellen. Und darin liegt möglicherweise unsere Chance.“

Erik, der Jüngere der Shoji-Brüder, strebt mit den Piraten sicher noch nicht nach Titeln, will aber, wie übrigens die gesamte Crew, den direkten Einzug in die PlayOff-Runde schaffen. Eine ähnlich couragierte Leistung wie in Friedrichshafen dürfte dafür auch gegen den bislang verlustpunktfreien Tabellenführer von Nöten sein, um die Gäste aus der Hauptstadt ähnlich in Gefahr zu bringen. In jeden Fall birgt das Duell Pirates vs. BR Volleys jede Menge Gesprächs- und Zündstoff, zumal bekannter Weise jede Serie einmal zu Ende geht! Vielleicht ist es diesmal die bislang sieglose Bundesligaserie der Spergauer gegen Berlin.

Sicher ist aber, dass beide Brüder – Erik oder Kawika – am Ende ihr sympathisches Lächeln behalten werden, die Frage bleibt nur, wessen Lächeln nach dem Spiel am Samstag strahlender ist.