Christoph Helbig löste auch schwierige Situationen gegen Hafen

Es ist nicht alltäglich, dass über 1.000 Zuschauer einen 3:0 (25:23, 30:28, 25:23)-Erfolg gegen den Serienmeister VfB Friedrichshafen bejubeln können. Der 19.1.2013 jedoch war so ein Tag in der Jahrhunderthalle Spergau. Nach 90 Minuten gab es für Spieler, Trainerstab, Management und die Fans kein Halten mehr. Sebastian Hähner fand nach einem der zahlreichen abgewehrten Angriffe der Gäste vom Bodensee im Gegenzug die Lücke im Block zum entscheidenden Matchball und ließ alle Dämme bei den Piraten brechen. Aus einer kämpferisch exzellent eingestellten Münz-Truppe ragte letztlich MVP des Tages, Christoph Helbig, noch heraus. Sechs kleine Punkte waren die Piraten am Ende besser als die Gäste aus Baden-Württemberg.

Punkt eins geht sicher auf das Konto des extrem gewachsenen Selbstbewusstseins der Piraten. Seit Dezember zeigt die Formkurve stetig nach oben. Ein Sieg in Rottenburg, der Achtungserfolg in Berlin und die knapp verpasste Siegchance bei Generali Haching waren deutliche Indizien dafür. Aber dass die Piraten mit einer derart breiten Brust auflaufen würden, hatte der Serienmeister wohl nicht erwartet.

Punkt zwei ist dem absoluten Willen zuzuschreiben, den Ausfall von Stammlibero, Erik Shoji, zu kompensieren. Jeder der verbliebenen zehn Spieler legte deshalb im Spiel noch einmal 10% an Engagement dazu. Der sympathische Hawaiianer musste tieftraurig auf der Tribüne platznehmen. Sein Kreislauf war nach einer abklingenden Magen-/Darminfektion noch nicht wieder wettkampftauglich, entschied die medizinische Abteilung des Vereins mit Spielbeginn. „Mister Zuverlässig“ und Kapitän, Jiri Stolfa, sprang in die Bresche und ließ keine Zweifel aufkommen, ein guter Stellvertreter zu sein.

Die Punkte drei und vier sind eindeutig in die Kategorie „Angriffslust der Piraten“ einzuordnen. Eine außergewöhnlich effiziente Offensivabteilung mit Sebastian Hähner, Bradley Lawson und allen voran Christoph Helbig, ließen die sonst so blockstarken Nationalspieler Max Günthör und Joao José häufig ins Leere greifen. Mit 51 erfolgreichen Angriffen der insgesamt 80 erzielten Punkte und einer Trefferquote von 55% war dies an diesem Abend der Schlüssel zum Erfolg. Dabei wurden 23 Punkte aus erfolgreichen Abwehraktionen erzielt. Die Häfler hatten nicht annähernd so gute Quoten aufzuweisen und fanden lediglich 32 Mal direkt das Ziel. Dieses wenig erfolgshungrige Spiel brachte Erfolgscoach, Stelian Moculescu, schier auf die Palme und Piratenteamarzt, Dr. Christian Meinel, warf gelegentlich einen kritischen Blick in Richtung der gegnerischen Bank, um nicht einen weiteren Kreislaufkollaps behandeln zu müssen.

Punkt fünf auf dem Weg zum Gesamterfolg steuerte die taktische Raffinesse des Trainerstabs bei. Überraschender Weise schenkte Matze Münz diesmal Zuspieler, Florian Völker, von Beginn an das Vertrauen. Und der 21-jährige dankte es dem Trainer mit variantenreichen und präzisen Zuspielen. Wie Nadelstiche saßen die Schnellangriffe von Hooi und Augustyn über die Mittelposition und wenn es darauf ankam, beruhigte Völker das Spiel nach erfolgreicher Abwehr, so dass ein sinnvoller Gegenangriff aufgebaut werden konnte. Erst im dritten Satz, nach einem klassischen 1:6-Fehlstart der Piraten, brachte Münz dann Routinier, Oliver Binder, in die Partie. Mit viel Geduld und neuen taktischen Varianten ließ Binder den Rückstand nicht mehr über fünf Punkte wachsen und beim 11:16 nach der zweiten technischen Auszeit blies die Piratencrew zum unwiderstehlichen Endspurt. Beim 21:23- Rückstand hielt es die Fans dann nicht mehr auf den Sitzen. Lawson schlug nervenstark viermal in Folge druckvoll auf und zwei Blockpunkte, ein Eigenfehler der Häfler und eben der erfolgreiche Gegenangriff von Basti Hähner besiegelten den letztlich absolut verdienten Erfolg. „Die Jungs haben erstmals in der Jahrhunderthalle durchgängig am oberen Level gespielt und können stolz auf diesen Erfolg sein“, stellte Manager, Rick Wiedersberg, nach dem Match zufrieden fest.

 Der letzte der sechs Punkte geht an das tolle Spergauer Publikum. Mit tosendem Applaus honorierte man nahezu jede erfolgreiche Aktion der Piraten. Die Stimmung in der Jahrhunderthalle war teilweise so ausgelassen, dass hin und wieder das Signalhorn zu den technischen Auszeiten vom souverän agierenden Schiedsrichtergespann Zander/Jungen überhört wurde. Nicht zu überhören war dagegen der alles entscheidende letzte Pfiff des Schiedsrichters, der den dritten Erfolg der Piraten gegen den VfB Friedrichshafen in der Spergauer Jahrhunderthalle aktenkundig machte. Alles andere war nur noch reiner Jubel.