Nur sehr selten sind die Fans und das Management der Piraten in den letzten sechs Bundesligajahren nach einem Heimsieg so frustriert und enttäuscht aus der Jahrhunderthalle Spergau geschlichen wie an diesem Mittwoch. Nach 125 Minuten Krampfvolleyball stand letztlich ein glückliches 3:2 (25:22, 26:28, 23:25, 25:19, 15:12) Endresultat gegen den VC Olympia Berlin auf der großen Anzeigetafel. Völlig unmotiviert und ohne die nötige professionelle Einstellung ließen die Spieler das Match an sich vorbeiziehen und trieben den Blutdruck von Außenstehenden teilweise in ungesunde Höhen. „Hätte ich eine Pulsuhr getragen, wäre diese sicher geplatzt“, ließ Münz nach der Partie gegenüber den Medien verlauten. Dieses Auftreten des Teams kann auch der geneigteste Piratenfreund nur als äußerst respektlos bezeichnen.

Respektlos gegenüber den Fans war die Vorstellung dadurch, dass die wenigen Zuschauer, die an diesem ungemütlichen Wintermittwoch den Weg nach Spergau gefunden haben von Beginn an Fehlerorgien der Piratencrew über sich ergehen lassen mussten, die eine sonst recht stimmungsvolle und lautstarke Kulisse in betretenes Schweigen verwandelt hat. Immer wenn ein Pirat an der Aufschlaglinie stand hörte man förmlich die knisternde Spannung beim Publikum und Spielern: Nur keinen Fehler machen. Es waren dann letztlich auch nur drei Aufschlagfehler pro Satz – eine erträgliche Quote doch die zielsicheren aber wenig druckvollen Aufschläge wurden von den Berliner Jungstars mit viel Ruhe und großer Präzision nach vorn geschaufelt und meist routiniert verwandelt. Die eigene Annahme der Piraten verdiente dagegen ihren Namen an diesem Abend nicht. Neun direkte Fehler standen in der Statistik. Und vom Rest war lediglich ein Drittel so präzise, dass die blaugelbe Kugel von den Zuspielern nicht erst durch Sprinteinlagen „erkämpft“ werden musste.

Respektlos war diese Abendvorstellung in jedem Fall auch gegenüber Management und Sponsoren des Vereins. Beide kämpfen hinter den Kulissen aufopferungsvoll darum, das jeder der Spieler und jedes Mitglied des Trainerstabs am Monatsende pünktlich und vollständig entlohnt werden kann. Es sei versichert, dass dies gegenwärtig ein extrem schwerer Kampf ist. Die Piratencrew scheint sich darum aber mit diesem Auftritt keine ernsthaften Gedanken gemacht zu haben – muss sie auch nicht! Aber sie hat in jedem Fall die Pflicht, durch engagierte und erfolgshungrige Auftritte dafür zu sorgen, dass bei den Organisatoren und Finanzier der Eindruck und die Gewissheit erhalten bleibt, dass es sich weiterhin lohnt, um den Bundesligavolleyball in Mitteldeutschland zu kämpfen.

Respekt darf man dagegen dem sportlichen Gegner vom VC Olympia Berlin entgegen bringen. Die Junioren zeigten eine frische und mehr als solide Leistung. Volleyball kann Spaß machen und das auch an kalten Mittwochabenden. Der Trend in Berlin geht zweifelsfrei nach oben. Das verdient in jedem Fall unseren Respekt! – Diesen Respekt müssen sich die Piraten dagegen durch die kommenden Auftritte erst wieder verdienen!