Dörendahl und Andörfer jubeln 2008 noch für die Piraten

Ein gewisses Prickeln liegt wohl in jedem Derby zwischen zwei Lokalrivalen auch wenn in diesem Fall zwischen Spergau und Dresden gute 150 km Wegstrecke liegen. Dennoch wird das Bundesligaspiel zwischen dem VC Dresden und dem CV Mitteldeutschland am Sonntag, 18.00 Uhr in der Margonarena Dresden als ein besonderes mitteldeutsches Duell in die Archive eingehen. Zwar reisen die Piraten als Favorit an die Elbe doch die Besonderheit liegt diesmal bei den handelnden Personen, insbesondere auf Dresdner Seite. Gleich vier Namen sind den Piratenfans aus der nahen Vergangenheit noch bestens bekannt: Felix Pauli, Phillip Collin, René Andörfer und der Trainer der Elbestädter Sven Dörendahl. Es steht außer Frage, dass insbesondere diese vier den Piraten das Siegen in der Sachsenmetropole außerordentlich schwer machen wollen und sicher spielt auch die Frage nach der „Nummer 1“ im Männervolleyball Mitteldeutschlands ein kleine Rolle in diesem Prestigeduell.

Mit Felix Pauli steht auf Dresdner Seite ein junger Außenangreifer, der durch großen Trainingsfleiß, gepaart mit einem hohen Maß an Ehrgeiz den Weg in die erste Liga geschafft hat. Der ehemalige Merseburger wechselte nach einigen Jahren in der 2. Mannschaft der Piraten 2009 zum Studium nach Dresden und bekam dort in der damals noch Zweitligamannschaft des VC Dresden die Chance, sich weiterzuentwickeln. Mit Erfolg. Pauli schaffte mit den Dresdnern den Aufstieg und stellte sich dem Abendteuer Erste Liga - mit Ehrgeiz und Trainingsfleiß. Einen völlig andern Weg in diese Liga vollzog dagegen Phillip Collin, Mittelblocker und ein zweifellos großes Volleyballtalent. Selbst Bundestrainer Vital Heynen hat offenbar das Potenzial des jungen Kerls erkannt und ihn gleich zweimal zu Sichtungsmaßnahmen der „Nacholympischen“ Nationalmannschaft eingeladen. Gemeinsam mit Pauli spielte Collin zwei Jahre in der Piratenreserve in Spergau und schmetterte die Truppe gleich zweimal zum Regionalmeister. Die Chancen zum „Aufstieg“ in die erste Mannschaft der Piraten über verstärkte Trainingsteilnahme warf Phillip nach eigenen Angaben dann jedoch leichtfertig weg. „Ich hatte mein Lebens damals noch nicht so richtig im Griff“, gestand der 21-jährige Schlacks der Sächsischen Zeitung in einem Interview. Angespornt durch Heynens Sichtung und unter der mehr als fürsorglichen Führung seines Mentors und Trainers Sven Dörendahl entwickelte sich bei Collin nun aber eine Vision: „Ich habe ein geheimes Ziel. Rio 2016.“ Auch bei ihm scheint also ein neuer Ehrgeiz für den Volleyball aufzukeimen. Der Dritte im Bunde der „Expiraten“ ist René Andörfer. Bis 2009 stand er an der Seite von Dörendahl im Dienst der Piraten. Danach verließ Andörfer die Volleyballszene und widmete sich seiner beruflichen Zukunft. Doch die Nähe zu Dresden und der Ruf des Trainers ließen den Cottbusser 2011 noch einmal aktiv werden.

Maßgeblich für die Dresdner Entwicklung im Männervolleyball ist aber letztlich eine Person: Chefchoach Sven Dörendahl. Der charismatische Wahlsachse stand schon zu Spergauer Zeiten für Emotionen und Leidenschaft. Jetzt lebt er diese in Dresden aus und versucht in Mitteldeutschland systematisch ein zweites Zentrum des Männervolleyballs zu etablieren. Er schart kontinuierlich ehemalige Mitstreiter um sich und gibt jungen Hoffnungsträgern die Chance, sich zu entwickeln. Er selbst stand zum Abschluss der Dresdner Aufstiegssaison selbst noch auf dem Feld, und auf die Frage, ob er denn gegen seinen Exclub noch einmal die Volleyballschuhe überstreifen wolle, winkt er jetzt ab. Die Spergauer Fans jedenfalls wollen das Brett mit dem „großen Nagel“, an dem die Volleyballschlappen von Sven Dörendahl gehängt werden sollen, mit nach Dresden bringen. Die Piratentruppe selbst will aber diesmal keine Geschenke verteilen!