Nicht zum ersten Mal in dieser Saison verteilen die Piraten äußerst großzügig Geschenke und nehmen die dargereichten des Gegners nicht an. Die bitterer 1:3-Heimpleite gegen den Morser SC (30:28, 20:25, 23:25 und 27:29) ist ein weitere Beweis dafür. "Ich komme mir in diesem Jahr vor wie der Weihnachtsmann“, wetterte Manager Rick Wiedersberg zu Recht nach dem richtungsweisenden Spiel gegen den Moerser SC. „Wir haben anscheinend viel zu verschenken. In Königs Wusterhausen, in Friedrichshafen und auch heute gegen Moers geben wir die Punkte einfach so weg. Wir haben dieses Spiel weggeschmissen weil wir nicht in der Lage waren, die Big Points zu machen“, kritisierte Wiedersberg weiter. Und in der Tat gab es Gelegenheiten in Mengen, die Partie zu Gunsten der Piraten zu entscheiden.

Satz 1: Nach ausgeglichenem Spiel bis zum 20:20 setzten die Piraten zum Endspurt an und führten 23:20 durch eine gute Aufschlagserie von Jairo Hooi, der nach dem Match zum besten Spieler der Spergauer gekrönt wurde. Im Gefühl des sicheren Satzgewinns kassierte man im Gegenzug eine 1:5-Ralley, ließ dabei zwei Satzbälle liegen und sah sich plötzlich beim 24:25 dem ersten Satzball der Moerser ausgesetzt. Nach großem Kampf und mit lautstarker Unterstützung der Spergauer Fans gelang schließlich noch der 30:28-Zittererfolg. Bereits jetzt müsste den Piraten klar geworden sein, dass dieses Spiel keine noch so kleine Nachlässigkeit verzeihen sollte und vorweihnachtliche Geschenke sollten in jedem Fall im Schrank bleiben.

Satz 2: Der gediegene Halbschlaf der Piratentruppe wurde von Chefcoach Matze Münz bereits beim 0:4 jäh durch seine erste Auszeit unterbrochen. Doch viele ahnten, dass bereits bei diesem Stand der Satz verloren war. In der in diesem Jahr äußerst ausgeglichenen Liga darf es einfach zu keiner Zeit eines Spiels Ruhepausen geben. Vier Punkte aufzuholen ist extrem schwer, zumal die körperlich robuste Truppe vom Niederrhein jede Lücke im Spergauer Block aber vor allem in der Spergauer Psyche gnadenlos auszunutzen wussten - konsequenter Weise in diesem Durchgang mit einem 20:25-Erfolg.

Satz 3: Diesmal erwischten die Mitteldeutschen den besseren Start. Nach einem schnellen 5:1 führten die Piraten stetig mit drei bis fünf Punkten. Trotz des in diesem Satz völlig fehlenden Blocks – kein einziger Punkt wurde von den Piraten dadurch erzielt – hielt der durchschlagskräftige Angriff, vor allem durch Lawson sowie die Mittelleute Augustyn und Hooi die Moerser auf Distanz. Zwei Pünktchen fehlten beim 23:20 zur erneuten Satzführung und der wahrscheinlichen Vorentscheidung. Doch ohne wesentliche Reaktion auf die starke Block- und Abwehrarbeit der Gäste verschenkte man fünf Punkte in Folge – eben diese Geschenke waren es, die Manager und auch dem Publikum die Zornesröte ins Gesicht trieben.

Die endgültige Entscheidung gegen die Piraten fiel dann im vierten Durchgang. Bei stetig wechselnder Führung bis zum 24:24 musste erneut die Satzverlängerung über die Reife und Nervenstärke der Teams richten. Ein abgewehrter Matchball für die Moerser ließ die Hoffnung auf einen fünften Satz noch leben. Noch stärker keimte diese auf nach zwei eigenen Satzbällen der Piraten, doch symptomatisch für die Geschenkeorgie an diesem Abend landete der entscheidende Aufschlag beim 27:26 im Aus. Zwei leichte Eigenfehler besiegelten dann die Niederlage und ließen schlussendlich den Geschenkeregen der Spergauer versiegen. Die Hoffnung bleibt, dass am kommenden Wochenende zum Mitteldeutschen Derby beim VC Dresden kein Präsentpaket ins Reisegepäck gesteckt wird.