Spergauer Lufthoheit im Pokalderby

Von Steffen Enigk - LVZ

Leipziger im Pokal gegen Spergau chancenlos - Ein Hauch vergangener Zeiten wehte gestern Abend durch die Sporthalle Brüderstraße. 710 Zuschauern sorgten endlich mal wieder für Bundesliga-Atmosphäre, und sie sahen attraktiven, erstklassigen Volleyball - leider nur vom Gäste-Team. So war das Vergnügen von kurzer Dauer. Der CV Mitteldeutschland brauchte lediglich eine gute Stunde, um sich im Pokal-Achtelfinale 3:0 (25:12, 25:20, 25:13) gegen die L.E. Volleys durchzusetzen.

Der Bundesliga-Siebente beherrschte den Zweitliga-Zweiten in allen Belangen. "Ich bin selten zufrieden, aber heute hat meine Mannschaft konsequent durchgezogen", sagte Spergaus Trainer Matthias Münz, der seine Stamm-Sieben über die drei Sätze nahezu komplett auf dem Parkett ließ.

Die Hoffnungen von Steffen Busse auf eine Überraschung zerschlugen sich schnell. "Es war sehr einseitig, wir waren chancenlos", meinte der Leipziger Coach: "Leider haben wir die vielen Zuschauer enttäuscht, uns fehlten Feuer und Leidenschaft."
Und die Klasse. Die Spergauer aber zeigten eindrucksvoll, warum sie vier Tage zuvor beim 2:3 in Friedrichshafen den deutschen Serienmeister am Rande einer Niederlage hatten. Bei der mit Akteuren aus sechs Ländern gespickten Gäste-Truppe führte Zuspieler Oliver Binder (Österreich) gekonnt Regie, setzte die Angreifer Bradley Lawson (USA), Jiri Stolfa (Tschechien) sowie die Mittelblocker Jairo Hooi (Niederlande) und Artur Augustyn (Polen) variabel in Szene. Vor allem aber den Ex-Leipziger Christoph Helbig, der seinem ehemaligen Team die Bälle serienweise um die Ohren schoss und mit hammerharten Aufschlägen glänzte. "Wir wollten den Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen und haben das professionell gelöst", sagte der 28-Jährige.

Leipzigs Kapitän Jan Günther konstatierte ernüchtert: "Wir standen permanent so unter Druck, dass wir keine Luft zum Atmen hatten, natürlich war das ein Klassenunterschied."

Nur im zweiten Satz kam richtig Stimmung in der Halle auf, als die L.E. Volleys bis zum 15:18 mithielten, ihr Potenzial andeuteten, der 19-jährige Jannik Kühlborn einige Male durchkam und auch Eugen Bakumovski, der trotz Rückenproblemen eine solide Vorstellung ablieferte, auf Augenhöhe agierte. "Aber wir haben zu viele Bälle verschenkt", giftete der Ex-Nationalspieler: "Ohne Biss und Konzentration wird es auch in der 2. Liga schwer."

Die Leipziger bekamen nur selten Wucht in ihren Aufschlag, so dass Spergau leichtes Spiel hatte. "Die haben uns mit Schnellangriffen über die Mitte zerlegt", sagte Steffen Busse, der von "einer wichtigen Erfahrung" sprach und Lerneffekte erwartet. "Ich hoffe, meine Jungs behalten dieses Spiel im Kopf", meinte der Trainer: "Sie wissen jetzt, wie viel Arbeit vor ihnen steht, wenn sie dieses Niveau erreichen wollen."