Von Ronny Banas - MZ ( Medienpartner des CVM )

Es ist nicht näher bekannt, was Jiri Stolfa mit seinen Fingern so alles anstellen kann. Außer Volleyball spielen natürlich. Fest steht nur, dass diese Finger am Sonnabendabend ein paar Millimeter zu lang waren. Wäre der 34-Jährige Außenangreifer des CVM Mitteldeutschland beim Stand von 14:13 im fünften Satz nicht an den Ball gekommen, die Sensation gegen den VfB Friedrichshafen wäre perfekt gewesen. So aber berührte Stolfa einen brachialen Schmetterball des Friedrichshafeners Ventzislav Simeonov irgendwie noch.

Der VfB unterschätzt den Gegner

Nur der messerscharfe Blick von Schiedsrichter Edgar Schmitt sah dies und wertete den Punkt für den VfB. Der Spergauer Matchball war abgewehrt. "Ich habe ihm fast die Hand umgebogen", sagte Simeonov der Schwäbischen Zeitung. Er war es dann auch, der die restlichen zwei Punkte für sein Team machte und dafür sorgte, dass die Mannschaft von Trainer Matthias Münz ohne Zählbares die Heimreise antreten musste.

Sollte man nun eine Mannschaft beglückwünschen, die nach zwei gewonnen Sätzen doch noch verliert? Ja, sollte man. Dann nämlich wenn selbst das eine bärenstarke Leistung war, mit der vermutlich niemand so richtig gerechnet hat. Die Spergauer Piraten brachten den VfB Friedrichshafen in dessen Halle nicht nur in arge Bedrängnis, sondern an den Rand einer Niederlage. Vermutlich auch, weil der Gastgeber die Truppe von Matthias Münz zunächst unterschätzt hatte. "Es ist immer schwer, wenn man zwischen zwei Championsleague-Spielen einen kleineren Gegner bekommt", so Münz. Wohl wahr. Fast leichtsinnig gaben die Friedrichshafener die ersten beiden Sätze ab und besannen sich erst danach ihrer Stärke. Fast zu spät, wie der weitere Spielverlauf zeigte. Bis zum Schluss standen sich zwei ebenbürtige Mannschaften gegenüber. Niederlage hin oder her. Beim CVM überwiegt die Zufriedenheit. "Es ist natürlich schade. Ein Sieg wäre die Krönung gewesen", so Münz weiter. Nicht zu übersehen sei jedoch die Tatsache, dass bei seiner Mannschaft die Formkurve weiter nach oben zeige. Eine deutliche Verbesserung sei es gewesen. "Wir müssen jetzt noch konstanter werden." Konstanter und vielleicht auch abgebrühter. Im vierten Satz führten der CVM zwischenzeitlich mit drei Punkten und war auf dem besten Weg zum Sieg. Dann aber gab es einen Bruch im Spiel, Friedrichshafen drehte den Satz. Der Rest ist bekannt und endete mit einer Millimeterentscheidung.

Abhaken und weiterschauen

"Jetzt kommen die Spiele, die wir gewinnen können und werden", schrieb Manager Rick Wiedersberg auf der Facebook-Seite der Piraten. Münz pflichte dem bei. "Dresden und Moers sind Mannschaften, mit denen wir uns messen können und gegen die wir unsere Chance nutzten müssen." Das Spiel vom Sonnabend sei abgehakt, auch wenn ein Wermutstropfen bleibt. "So oft hat man in Friedrichshafen keinen Matchball", sagt Münz treffend.

Während die Piraten also ohne hängenden Häupter die nächtliche Heimreise antraten, konnte man den Gastgebern nach Spielende ihre Erleichterung darüber, dass man mit einem blauen Auge davongekommen war, förmlich ansehen. "Wir haben Geduld gehabt, die jungen Spieler eingewechselt und dann das Spiel für uns entscheiden können", so Trainer Stelian Moculescu. Am Ende sollte er sich womöglich auch ein bisschen bei den Fingern von Jiri Stolfa bedanken.