Von Thomas Düll - MZ ( Medienpartner des CVM )

Ein Blick auf diese Grafik lässt einem kurzzeitig das Blut in den Adern gefrieren. Eine Linie zeigt die Tabellenplatzierungen der Chemie Volleys Mitteldeutschland (CVM) in der ersten Bundesliga der vergangenen Jahre. Ein Zickzack-Kurs im Mittelfeld. Doch dann zeigt die Fieberkurve steil aufwärts, unaufhaltsam, bis der erste Rang erreicht ist. In vier Jahren soll es so weit sein.

Es ist ein Blick in die Zukunft, präsentiert während der Mannschaftsvorstellung der Spergauer Piraten vorige Woche Mittwoch im Kulturhaus Leuna. Doch dieser Blick wirft unwillkürlich auch Fragen auf. Diverse Vereine sind in den vergangenen Jahren in der Volleyball-Bundesliga insolvent gegangen. Der VC Gotha oder SV Sinsheim sind Beispiele. Und nun solch hohe Ziele in Spergau?

CVM-Manager Rick Wiedersberg lächelt beschwichtigend. "Wir geben nur das aus, was wir auch haben", erklärt der 35 Jahre alte ehemalige Spieler. In Gotha sei dieser Vorsatz definitiv nicht eingehalten worden.

Über knapp 550 000 Euro verfügt der Gesamtverein CVM, knapp 300 000 Euro stehen für die Bundesliga-Mannschaft und die Geschäftsstelle zur Verfügung. Im Vergleich mit den Top-Drei-Mannschaften der Liga - also Berlin Recycling Volleys, VfB Friedrichshafen und Generali Haching, deren Etat auf 1,5 bis zwei Millionen Euro geschätzt wird und die den Titel unter sich ausmachen dürften - sind mit diesem Etat keine großen Sprünge drin.

Die gute Nachricht: Der Etat der Piraten ist konstant geblieben. Doch zeigt sich auch: Die Spergauer haben nach einem kometenhaften Aufstieg aus der vierten bis in die Bundesliga vorerst die Grenzen ihres Wachstums erreicht. Seit Zugehörigkeit zur Eliteklasse standen in den Abschlusstabellen die Plätze neun, acht, zehn, zehn und acht.

Für Manager Wiedersberg ist das ein Problem. "Wenn du zu den Sponsoren gehst und sagst: ‚Wir brauchen mehr Geld!‘, dann antworten die: ‚Und was habt ihr erreicht?‘", erläutert er. "Wir müssen erstmal unsere eigenen Hausaufgaben machen."

Im Hausaufgabenheft stehen sportliche Erfolge. "Aufgrund der Stagnation sind die Zuschauerzahlen zurückgegangen", sagt Wiedersberg. Die Qualifikation für die Playoffs beginnt ab Platz acht, die für den Europapokal erst ab dem fünften Rang. Um endlich dorthin zu kommen, hat der Verein sein Konzept in der Personalpolitik umgeworfen. Das Motto heißt: Weniger ist mehr. Der CVM geht mit einem verkleinerten Kader von nur elf Spielern in die Saison. "Wir investieren dieses Jahr in Qualität, nicht Quantität", erklärt Wiedersberg. Einen zwölften Spieler könne man zwar noch verpflichten, "aber die Finanzierung wäre nicht zu 100 Prozent sicher. Deswegen haben wir ganz klar gesagt: Wir holen nur Leute, die besser sind als die bisherigen."

Dafür schauten sich die Spergauer gezielt im Ausland um. "Deutsche Nationalspieler gehen lieber dorthin, wo es mehr Geld gibt und international gespielt wird", sagt Wiedersberg. Die neuen Piraten kommen aus Österreich, den USA und mit Rückkehrer Artur Augustyn aus Polen. "Alle Verträge sind fast vollständig abgedeckt", sagt Wiedersberg. "Wir haben keine Kredite, Spieler und Trainer sind bezahlt."

Der Verein sieht sich mit seinem neuen Konzept gerüstet für seine neuen, großen Ziele. Alle gemäß dem Vereinsmotto: "In der Region zu Hause - in Deutschland unterwegs - Europa im Blick."