Von Julius Lukas - MZ ( Medienpartner des CVM )

Erik Shoji beginnt zu lachen, als er eines der bekanntesten Klischees hört, die in Deutschland über seine Heimat existieren. "Es gibt kein Bier auf Hawaii", sang 1963 Paul Kuhn in einem Schlagerlied. Der 23-jährige Shoji, der ab der nächsten Saison für die Spergauer von Chemie Volley Mitteldeutschland (CVM) spielt, entkräftete diese Behauptung jedoch sofort. "Ach nein, das stimmt nicht. Wir mögen Bier und es gibt sogar ein paar Brauereien auf Hawaii", so der der Volleyballer, der aber auch zugibt: "Die Deutschen lieben Bier allerdings weitaus mehr."

Auf jeden Fall Europa

Erik Shoji ist alles andere als ein Musterbeispiel für die gängigsten Hawaii-Klischees. Surfen könne er zwar, aber nicht besonders gut. Zudem sei Schnee für ihn nichts Ungewohntes, wobei der Volleyballer einschränkt: "Wer sein ganzes Leben auf Hawaii verbringt, würde wahrscheinlich wirklich nie Schnee zu sehen bekommen."

Doch die Insel im pazifischen Ozean hat Shoji bereits mit 18 Jahren verlassen. Für einen Volleyball-Spieler ist er mit 1,84 Metern sehr klein. Er spezialisierte sich allerdings auf die Libero-Position. 2008 wechselte er nach Kalifornien zur Stanford Universität. "Ich habe ein Stipendium bekommen", erzählt Shoji. "Außerdem spielte mein Bruder bereits dort und meine Schwester ist im Trainerstab der Frauenmannschaft." Mit Stanford belegte Shoji im vergangenen Jahr den dritten Platz in der College-Meisterschaft. Und er wurde zu einem der besten Liberos der Vereinigten Staaten. Auch für die Nationalmannschaft wird er bereits gehandelt. "Ich hoffe natürlich, dass es für Rio 2016 klappt", sagt er.

Gleich der erste Turniereinsatz

Nach vier Jahren verlies Shoji Stanford. "In Amerika gibt es keine Profi-Liga", erklärt der 23-Jährige. Um weiterhin Volleyball zu spielen, musste er weg. "Ich wollte auf jeden Fall nach Europa", sagt Shoji. Deutschland hatte er fest im Blick. Nicht zuletzt, weil sein Bruder Kawika hier in der 1. Bundesliga bei Berlin Recycling spielt. "Berlin wäre schön gewesen", meint Shoji, "aber ich bin sehr froh über den Vertrag mit denn Chemie Volleys."
Den hat nicht zuletzt Matthias Münz eingefädelt. "Ein ehemaliger Assistent von mir ist gerade auf Hawaii und hat mich auf Erik aufmerksam gemacht", erzählt der CVM-Trainer. Alles weitere habe dann nicht länger als eine Woche gedauert. "Erik wollte in die Nähe seines Bruders", so Münz.
Am Freitagabend kam Erik Shoji auf dem Flughafen an und bezog sein Apartment im Sky Hotel in Merseburg. Er sei noch nie zuvor in Deutschland gewesen. Viel Zeit hatte Shoji allerdings auch noch nicht, um sein neues Zuhause zu erkunden. Am Samstag und Sonntag nahm ihn Matthias Münz zu einem Turnier mit. Der Hawaiianer stand auch gleich auf dem Feld. "Erik hat ein hervorragendes Stellungsspiel und holt auch schwere Bälle", lobt ihn der Trainer.