Spergau/MZ. Der Aufschrei von Artur Augustyn war fast schon vor dem Augenblick zu hören, in dem der Ball zum letzten Mal an diesem Samstagabend im gegnerischen Feld aufschlug. Der Pole, einer der Neuen im Piraten-Trikot, sprang wie ein Berserker über das Parkett in der Spergauer Jahrhunderthalle, ruderte vor Begeisterung wild mit den Armen - und ließ sich gemeinsam mit seinen Teamkameraden von Chemie Volley Mitteldeutschland von den knapp 1 000 Zuschauer feiern. Mit 3:2 bezwangen die Volleyballer im ersten Spiel der neuen Bundesligasaison den großen Favoriten Düren.

Die Profis aus der Eifel steckten ihre Niederlage erstaunlich gelassen weg. Wortlos hockten sie auf dem Parkett und schauten dem ausgelassenen Treiben ihrer Bezwinger zu. Wie die Gastgeber sich lachend in die Arme fielen und ein einziges großes Knäuel bildeten. Mittendrin Trainer Michael Mücke und Manager Peter Kurzawa. "Was willst du mehr als so ein Spiel?", fragte Kurzawa, sichtlich gezeichnet vom Schlagabtausch. "Und als Krönung so ein Sieg!"

Zwei Stunden hatte er mit seiner Mannschaft gefiebert, nur wenige Schritte hinter der Auswechselbank, praktisch mit der Truppe auf Tuchfühlung. Er kaute nervös auf seinem Kaugummi, wenn es mal nicht klappte und klatschte bei jedem Punktgewinn heftig in die Hände. Ab und zu entfuhr ihm ein aufmunterndes "Kommt, Jungs!" Wenn es brenzlig wurde, tigerte er ein paar Schritte hin und her. Voller Einsatz, auch oder vor allem mit Herzen.

Vom Typ her ganz anders ist da der Trainer. Mücke wirkte wie ein Ruhepol. Hochkonzentriert verfolgte der Volleyballlehrer die Aktionen seiner Männer. Gab, wenn nötig, mal eine Anweisung. Die Notwendigkeit bestand allerdings recht selten. Seine Piraten, das war von der ersten Minute an zu sehen, hatten Spaß an ihrem Zusammenspiel. Die Ballannahme mit Libero Tomas Knebelkamp, Jiri Stolfa und Mark Siebeck arbeitete präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Zuspieler Sebastian Kühner setzte die Mittelmänner Christian Langer und Augustyn bestens in Szene - und plötzlich war der erste Satz mit 25:21 gewonnen.

Zwar stellten sich die Gäste Mitte des zweiten Satzes besser auf die Piraten ein und konnten ein 8:14 noch in ein 25:21 drehen. Doch im dritten Teilabschnitt leisteten sich die Dürener zu viele Fehler, und die Spergauer nutzten ihre Chance: 21:17. Noch einmal bäumte sich der mehrfache Vizemeister auf, erzwang mit dem Gewinn des vierten Satzes (21:17) eine Entscheidung im Tie-Break. Doch im entscheidenden Moment behielten die Außenseiter kühlen Kopf.

"Vier Sätze spielten wir auf Augenhöhe, im fünften hatten wir dann die besseren Nerven", analysierte Mücke. Dabei machte sich die ausgewogene Zusammensetzung der Mannschaft bezahlt. Während der routinierte Siebeck stets Ruhe ausstrahlte und den Überblick behielt, peitschte der extrovertierte Augustyn seine Teamkameraden immer wieder nach vorn. Es war wie eine klare emotionale Aufgabenteilung, wie bei Kurzawa und Mücke neben dem Feld.

"Heute haben die Dürener sicher bereut, dass sie ihn haben ziehen lassen. Augustyns Nachfolger kamen an diese Leistung beiweitem nicht heran", sagte Mücke und verzog dabei genüsslich das Gesicht. "Im Ernst, die beiden Ex-Dürener Augustyn und Kühner haben großen Anteil an unserem Erfolg."

Nach dem Grund gefragt, was seine neue Mannschaft denn besser gemacht hat als die alte, zuckte Augustyn mit den Schultern. "Keine Ahnung, was das war", sagte er. "Wir wollten unbedingt gewinnen, das haben wir vorher in der Kabine immer wieder gesagt." Eines wusste er allerdings mit Sicherheit. "Wir hatten alle jede Menge Spaß." Düren nicht. Vor allem dank Artur Augustyn.