LEUNA-SPERGAU/MZ. Namen sind Schall und Rauch, sagt man. Kanuverein Bad Dürrenberg, Volleyballclub Bad Dürrenberg-Spergau, Volleyballclub Spergau-Bad Dürrenberg, Chemie Volley Mitteldeutschland. Alles sind beziehungsweise waren in den vergangenen knapp 20 Jahre Namen jenes Volleyballteams, das am Samstag in der Spergauer Jahrhunderthalle in die neue Saison der ersten Bundesliga startet.

Peter Kurzawa, Teammanager und Vorstandsmitglied bei Chemie Volley Mitteldeutschland, würde sicher widersprechen in Sachen Schall und Rauch. Für ihn dokumentieren jene Namen Geschichte. Geschichte vom Anfang als Freizeitmannschaft bei den Kanuten; Geschichte von der Bildung eines eigenen Clubs vor zehn Jahren; Geschichte vom damaligen Traum, mittelfristig stabil in der zweiten Bundesliga zu spielen; Geschichte von der Entwicklung eines Teams, das vor sechs Jahren noch in der Regionalliga schmetterte und nun bereits das vierte Jahr hintereinander in der deutschen Eliteklasse beginnt. Und das als Chemie Volley Mitteldeutschland (CVM). Bleibt da aber nicht die lokale Identität auf der Strecke?

Kurzawa weiß um das Problem. "Aber wir sind die Nummer eins des Volleyballs in Mitteldeutschland. Wir wollen das auch nach außen dokumentieren", sagt er. Hinzu komme, man habe seine Heimat mitten in der Leunaer Chemieregion, habe Firmen von dort als Partner. Und in der Vereinsführung verspricht man sich vom neuen Namen, sich potenziellen Sponsoren im gesamten mitteldeutschen Chemiedreieck als Marke anzubieten.

Das kommt bekannt vor. Gleich nebenan in Weißenfels verfolgt der Mitteldeutsche Basketball-Club (MBC) eine ähnliche Strategie. Und die scheint aufzugehen. Der MBC hat neben den Sponsoren aus Weißenfels und dem Burgenlandkreis inzwischen Partner unter anderem in Jena, Halle, Leipzig und im Saalekreis. Geschäftsführer Jörg Hexel sagt: "Sie setzen auf den MBC als Wirtschaftsmarke."

Für beide Sportclubs reicht es nicht, sich allein mit der Wirtschaftskraft der engeren Region zu verbünden. Beide haben nicht das, was man bei anderen Mannschaften einen Hauptsponsor nennt. Beide Teams haben in ihren Ligen jeweils mit den kleinsten Etat. Diese Gemeinsamkeiten manifestieren sich letztlich bei beiden im gewählten mitteldeutschen Bezug. Denn sie haben in etwa auch denselben Anspruch, nämlich langfristig stabil in ihren Ligen mitzuspielen mit der Tendenz, an den Top-Acht und damit an den Playoffs zu kratzen.

Die Volleyballer nehmen dieses Ziel ernster denn je. Nach den Verpflichtungen von Mark Siebeck, Tomas Knebelkamp, Artur Augustyn und Sebastian Kühner hat der CVM vielleicht das stärkste Team seiner Erstligazeit zusammen. Doch was es wirklich wert ist, muss sich erst noch zeigen. Die guten Leistungen in der Vorbereitung sagen noch nichts über die Chancen in den Punktspielen. "Die Liga ist wie eine Wundertüte", sagt selbst Cheftrainer Michael Mücke. Man weiß erst dann, was drin ist, wenn sie aufgemacht wird.

Alle anderen haben auch aufgerüstet und zum Teil eben aufgrund ihres höheren Etats auf anderem Niveau. Dabei wird noch nicht einmal der erste Spieltag am Samstag den Blick auf den tatsächlichen Inhalt der Wundertüte freigeben. Denn mit Düren kommt ein Mitfavorit für den Meisterschaftskampf im Dreizehnerfeld der ersten Bundesliga. Mit Stefan Hübner und Jaromir Zachrich wurde die Mitte noch einmal mit Zugängen gestärkt. Hübner war fast zehn Jahre Profi in Italien, ist Nationalspieler und war vier Mal deutscher Volleyballer des Jahres. Auch Zachrich hat schon Auswahlluft geschnuppert. Die eigentliche Herausforderung für Mitteldeutschland kommt mit den Clubs, mit denen sich der CVM auf Augenhöhe sieht: Gotha, Bühl oder Wuppertal. Randnotiz: Wuppertal heißt jetzt Titans Bergisches Land.

Das Spiel gegen Evivo Düren beginnt am Samstag um 19.30 Uhr.