Nun ist es tatsächlich passiert. Die Piraten des CV Mitteldeutschland sind nach einem hochdramatischen und für die Fans begeisternden Spiel in die 2. Bundesliga abgestiegen. Mit einer Spielzeit von 137 Minuten war diese äußerst kampfbetonte Partie gleichzeitig die längste aller Partien der laufenden Bundesligasaison. 2:3 (17:25, 25:22, 27:25, 29:31, 12:15) hieß es am Ende für die überglücklichen Netzhoppers aus Bestensee – an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt. Diese Niederlage der Piraten dürfte durchaus den Stoff bieten, der in die Annalen der deutschen Volleyballgeschichte eingeht. Erstmalig – und so hoffen die Vertreter zahlreicher Gremien auch letztmalig – bot das Spielsystem der Liga die Möglichkeit, das der Siebendplatzierte der Hauptrunde noch in den Abstiegskampf verwickelt werden konnte. Leider sind die Mitteldeutschen diesem Strudel nicht mehr entkommen. Andererseits haben in dieser Saison zwei Siege für ein Team ausgereicht, die Klasse zu erhalten – welch eine Ironie! Doch alles Jammern hilft jetzt nicht mehr. Das Ergebnis steht fest!

Die Dramaturgie des Spiels selbst konnte hochkarätiger nicht sein. Nach einem nervösen Start der Piraten, die bis zum 1:4 gleich zwei Asse kassierten, einen schnellen Ausgleich zum 5:5 erzwangen und dennoch den ersten Durchgang durch zu viele Eigenfehler abgeben mussten, begann die Partie in Satz zwei völlig neu. Beide Teams lieferten sich von nun an einen offenen Schlagabtausch mit teilweise spektakulären Ballwechseln. Zwar lagen die Piraten in Satz zwei stets mit zwei bis drei Punkten in Front, mussten sich aber dennoch vehement gegen die druckvoll und risikofreudig agierenden Gäste bis zum 20:19-Anschlusspunkt wehen. Zu allem Unglück zog sich Bradley Lawson durch einen Zusammenprall nach einer Abwehraktion eine Platzwunde am Kopf zu und wurde von Enrico Ehrhardt ersetzt. Doch der angriffslustigen und engagierten Spielweise der Piraten tat dies keinen Abbruch. Mit 25:22 brachte man den Durchgang nach Hause und legte in der Verlängerung von Satz drei gleich noch einmal mit 27:25 nach zur bis dahin knappen aber verdienten 2:1-Satzführung. Die Vorentscheidung fiel jedoch in Satz vier, und diese - zum Leidwesen der über 1.300 frenetischen Zuschauer - gegen die Piraten.

Bis zur 20:19-Führung der Gäste war alles offen. Die Piraten setzten zum Endspurt an, wehrten den ersten Satzball der Gäste beim 23:24 erfolgreich ab und erzwangen beim 25:24 ihrerseits erstmals den Matchball. Diesem sollten dann bis zum 29:28 vier weitere folgen, doch immer wieder gelang es den Netzhoppers eine Hand zwischen Ball und Parkett zu bekommen. Mit dem Rücken zur Wand rettete man sich zum 29:29-Ausgleich und konnte selbst dann den entscheidenden Stich zum 31:29 Satzausgleich setzen. Der Tie-Breck brachte dann leider nicht mehr die erhoffte Wende zu Gunsten der Piraten. Mit etwas effektiverem Spiel brachten die Netzhoppers eine schnelle 5:1-Führung ins Ziel und retteten ihrerseits aus eigener Kraft die Klasse.

 

Was bleibt für die Piraten? Viele Fragen und ein herzliches Dankeschön. Für eine genaue Analyse der Saison ist es sicher zu früh, doch der Vorstand wird sich intensiv mit den Ursachen für den sportlichen Abstieg aus dem Oberhaus nach sechsjähriger Zugehörigkeit beschäftigen. Es wird sicher alles kritisch auf den Prüfstand zu stellen sein, was zu dieser Entwicklung geführt hat. Fest steht, dass man nun das Heft des Handelns nicht mehr selbst in der Hand hat, sondern auf das „Goodwill“ der Deutschen Volleyball Liga angewiesen ist. Diese beabsichtigt, die Volleyballbundesliga der Männer wieder auf eine Staffelgröße von 12 Mannschaften zu bringen, und die Piraten sind auch als Absteiger ein ernsthafter Kandidat für den 12. Startplatz. Allerdings muss bei dieser Konstellation ein sehr kritischer Blick auf das Budget für eine neue Saison gerichtet werden.

 

Der uneingeschränkte Dank der Piraten gilt aber in jedem Fall den Fans in der Jahrhunderthalle und den Sponsoren des Vereins. Mit Eurer Hilfe und Unterstützung haben wir in den letzten sechs Jahren alle Höhen und Tiefen gemeistert, Siege gefeiert und Niederlagen verkraftet. Das Team der Piraten geht fest davon aus, dass wir diese Geschichte auch in der Zukunft gemeinsam weiterschreiben können, und vielleicht gibt es in den kommenden Tagen doch noch ein kleines Happy End.