Nur zwei Spiele innerhalb von vier Tagen scheinen zu reichen, die Spergauer Arbeit einer ganzen Saison, vielleicht aber auch von sechs Jahren in der ersten Bundesliga, in Frage zu stellen. Zwei Spiele im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale oder auch zwei Spiele vor einem entscheidenden Duell gegen den Abstieg. Und ausgerechnet in diesem beiden Spielen liefert der Gegner, VC Dresden, seine spielerisch und vor allem emotional wohl besten Saisonleistungen ab, wogegen die Piraten mit gebremsten Schaum und scheinbar nicht vollständig frei von Zweifeln an der eigenen Leistungs- und Nervenstärke aufgetreten sind. Vielleicht lagen die beiden bitteren 3:1-Niederlagen aber auch daran, dass die Spergauer lange Zeit den Blick nur nach oben in der Tabelle gerichtet haben. Diese Blickrichtung hatte - daran zweifelte angesichts der spielerischen Qualität der Truppe kaum jemand bis zum letzten Hauptrundenspiel - in jedem Fall ihre Berechtigung. Doch irgendwie scheint sich etwas Sand im Getriebe gesammelt zu haben, schleichend und heimtückisch - und keiner hat es bemerkt.

Die Dresdner ihrerseits haben sich wenig um die verpassten Ziele oder Chancen der Mitteldeutschen gekümmert. Kein Gedanke an die zwei Niederlagen in der Hauptrunde, kein Gedanke an die starken Auftritte der Piraten gegen Haching, Friedrichshafen oder Moers und natürlich auch kein Mitleid für den dezimierten Kader durch die Rotsperre von Enrico Ehrhardt im ersten Spiel. Letztlich mussten die Elbestädter auch nicht einigen Wimpernschlag-2:3-Niederlagen in der abgelaufenen Hauptrunde nachtrauern, bei denen nur ein Finger im Weg war, ein Pfiff etwas unglücklich erklang oder aber auch nur die Fahne eines Linienrichter leider in die falsch Richtung wies. Eine etwas andere Entscheidung, ein glücklicher Angriff oder Block in diesen Spielen wäre verbunden gewesen mit einem Sieg, und die Piraten wären gar nicht erst in diese Pre-Play-Off-Bredouille geraten.

Dennoch oder gerade deshalb spielten die Sachsen einen herzerfrischenden Volleyball und schienen die gesamte Saison einzig auf diese Pre-PlayOff-Spiele gewartet zu haben. Keine verpassten Chancen lasteten auf ihrem Spiel, kein verpasstes Ziel, denn es gab nur eins – Klassenerhalt. Die effektivste Art waren halt bei diesem Spielmodus zwei Siege – alles andere ist egal.

Vielleicht müssen die Piraten dies jetzt noch schnell lernen. Vielleicht muss Management und Trainerstab noch eine entscheidende Maßnahme einleiten und alles kann sich wieder ändern. Nicht zählt mehr. Nichts ist so vergänglich, wie der Erfolg vergangener Tage. Und vielleicht sollte in Spergau doch noch einmal genauer hingesehen werde, um die Stelle zu finden, die den Sand ins Getriebe gebracht hat.

Zwei Spiele können viel verändern – zum Schlechten aber auch zum Guten!