( von Ronny Banas MZ - Medienpartner des CVM )

Als Enrico Ehrhardt am Donnerstag zum Training fuhr, war seine Volleyball-Welt noch einigermaßen in Ordnung. Die Niederlage vom Wochenende nagte zwar noch etwas. Mit dem Bundesligisten CV Mitteldeutschland hatte er den direkten Einzug in die Playoffs verpasst. Aber egal. Ehrhardt und die anderen schauten nach vorn. Am Mittwoch beginnen die sogenannten Pre-Playoffs gegen den VC Dresden, eine zusätzliche Qualifikationsrunde für die eigentlichen Playoffs.

Dass Ehrhardt das Auftaktspiel nur von der Tribüne verfolgen wird, weiß er seit dem vergangenen Donnerstag. Der 28-Jährige ist wegen einer Roten Karte gesperrt. Und das passt ihm gar nicht: „Beschissen“ gehe es ihm, sagt er. Und: Die Sperre sei eine „Unverschämtheit“.

Doch ob zurecht oder nicht. Auf jeden Fall ist der Ausschluss eine Rarität. Rote Karten gibt es im Volleyball ohnehin so gut wie nie. Und eine Spiel-Sperre wie im Fall Enrico Ehrhardt gab es in dieser Bundesliga-Saison überhaupt nicht.

Rückblende. Es ist der Sonnabend vor neun Tagen. Der CVM spielt zu Hause gegen Evivo Düren. Das letzte Hauptrundenspiel der Saison, mit einem Sieg sind sie unter den besten Sechs der Liga und können sich den Umweg über die Pre-Playoffs sparen. Beim Satzball für Düren passiert es dann. Ehrhardt und der Rest der Spergauer wollen gesehen haben, wie ein Dürener beim Schmetterball ins Netz griff. Der Schiedsrichter sieht das anders und gibt den Punkt und damit den Satz an Düren.

Was danach geschieht, ist nicht ganz klar. Ehrhardt behauptet, sich beim Schiedsrichter nur beschwert zu haben. Dafür sieht er die Rote Karte, die im Volleyball nichts anderes als eine Sperre für den folgenden Satz ist (siehe auch Kasten „Gelb, Rot, Gelb-Rot“).

Vorige Woche Mittwoch dann der Knall: CVM-Geschäftsführer Albrecht Pfefferkorn, selbst übrigens aktiver Schiedsrichter, bekommt die Information, dass Ehrhardt nicht nur für einen Satz gesperrt ist, sondern zusätzlich für ein Spiel. Warum, weiß niemand so genau, der Spielberichtsbogen schweigt dazu. „Mit Strafen und Karten ist es etwas kompliziert im Volleyball“, sagt Pfefferkorn. „Was der Schiedsrichter vermerkt hat, liegt in seinem Ermessen. Anscheinend hat er es als Beleidigung aufgefasst.“

Enrico Ehrhardt beklagt Willkür des Unparteiischen. „Na klar war ich aufgebracht, aber ich habe niemanden beleidigt. Keine Ahnung, was er gehört haben will.“ Doch am Ende ist er machtlos, die Entscheidung steht. Widerspruch erlauben die Statuten der Deutschen Volleyball-Liga nicht.

Und wie nun weiter? Matthias Münz brütet seither über seiner Taktik für das Dresden-Spiel. Der Trainer der Spergauer weiß, dass das Fehlen von Ehrhardt zum ungünstigsten Moment kommt. „Wir haben jetzt nur zehn Mann zur Verfügung“, sagt er. Zehn Mann, die im Hinspiel gegen den VC Dresden die Saison retten sollen.

Bei den letzten Trainingseinheiten vor dem Spiel war Enrico Ehrhardt trotzdem dabei. Annahmen stehen auf dem Programm. Das also, weswegen sie das Spiel gegen Düren vergeigt haben. „Natürlich, wenn ich der Mannschaft schon im Spiel nicht helfen kann, dann wenigstens im Training“, sagt er. Ein Trost ist das freilich nicht.

Enrico Ehrhardt kann nur hoffen, dass am Mittwoch alles gut läuft für sein Team. Es wäre ein wenig Balsam auf die Seele des einzigen rot-gesperrten Volleyballers dieser Bundesliga-Saison.