Wer sich gelegentlich auch für Randnotizen aus der Volleyballszene interessiert hat sicher schon längs bemerkt, dass sich die Gewichtung im Männervolleyball so langsam vom tiefen Süden des Landes in Richtung Nordosten zu verschieben scheint. Seit drei bis vier Jahren arbeitet man in der Bundeshauptstadt akribisch daran, die Marke Volleyball deutlich weiter zu entwickeln. Keiner ist beim ehemaligen SCC Berlin davor zurückgeschreckt, dass es in der Millionenstadt mit den Füchsen im Handball, den Eisbären im Eishockey, ALBA im Basketball und natürlich Union und Herta im Fußball schwergewichtige ballsportliche Konkurrenz gibt, ganz zu schweigen vom riesigen Kulturangebot in der Metropole. Im Gegenteil: Durch ein ausgewogenes Maß an Konkurrenzdenken und Kooperation mit anderen Vereinen ist man dem Grau der alten Sömmeringhalle entflohen und in die moderne Max-Schmeling-Arena umgezogen. Sicher hat beim „recyceln“ der Vergangenheit der schwergewichtige Namenssponsor tatkräftig mitgeholfen, doch der steile Weg nach oben zeigt deutlich, welches sportliche und wirtschaftliche Potential der Volleyball bietet.

Nun sind die Berlin Recycling Volleys nach ihrem Pokal-1/8-Final-Erfolg zum zweiten Mal in dieser Saison zu Gast in der Jahrhunderthalle Spergau, und zum zweiten Mal werden die Kräfteverhältnisse klar verteilt sein. Die Berliner wollen sich systematisch weiter auf ihre zwei Höhepunkte, das Pokalfinale in Halle / Westfalen und die Verteidigung der Deutschen Meisterschaft einstimmen. Im dritten Wettbewerb, der Champions-League ist man im Achtelfinale an der europäischen Übermannschaft, Zenit Kasan, gescheitert und kann somit volles Augenmerk auf die Sicherung ihrer deutschen Vorherrschaft legen. Erst vor Wochenfrist lieferten sich die Mannen um den australischen Chefcoach, Mark Lebedew, ein erfolgreiches 5-Satz-Match gegen den ärgsten deutschen Konkurrenten vom Bodensee, VfB Friedrichshafen, und zeigte erneut vor über 7.000 Zuschauern, sehenswerten Volleyball.

Für die Gastgeber aus Mitteldeutschland geht es dagegen vorrangig darum, als Team weiter zu lernen. Und welcher Lehrmeister kann da wohl besser sein, als der Deutsche Meister. Ulf Quell sieht der Partie am Samstag ab 19:30 Uhr gelassen entgegen: „Für uns geht es darum im dritten von vier Partien nacheinander gegen die Großen aus Bühl, Haching, Berlin und Hafen zu zeigen, dass wir weiter voran kommen und aus gemachten Fehlern die richtigen Schlüsse gezogen haben. Realistisch betrachtet ist selbst die „zweite Garde“ der Berliner in der Lage, unsere junge Truppe unter Kontrolle zu halten, doch wir wollen unsere Haut so teuer als möglich verkaufen. Es soll sich auch für die Zuschauer wieder lohnen, den Piraten einen Besuch in der Jahrhunderthalle abzustatten“, meint Quell im  Vorfeld der Partie. Lohnen wird sich die Partie in jedem Fall für die Zuschauer, denn der langjährige Partner der Piraten, die OTEMA GmbH aus Tollwitz, wird diesen Spieltag präsentieren und hält für die Gäste zahlreiche Überraschungen bereit.