Keiner der Piratenfans erinnert sich gern an den 6. März des Jahres 2013. An diesem Tag begann das Trauma der Piraten gegen den VC Dresden. Nach einer begeisternden Hauptrunde mit insgesamt neun Siegen – die beste Saisonleistung der Vereinsgeschichte überhaupt – schlitterte man durch zwei verschenkte Spiele kurz vor Saisonende in die ungeliebten PrePlayOff-Spiele, und das eben gegen diesen VC Dresden. Die Sachsen hatten bis dahin nur drei Erfolge zu verbuchen und setzen alles daran, mit einem Husarenstreich dem Abstieg zu entrinnen. Durch zwei 3:1-Erfolge aufgrund der besseren Tagesform stürzten die Dresdner die Piraten seinerzeit in ein tiefes Trauma, aus dem man hier in Spergau bis heute scheinbar nicht erwachen konnte. Jetzt ist die Zeit reif, diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Das Mitteldeutsche Derby wird richtungsweisend für beide Mannschaften und der Druck auf beiden Seiten ist enorm hoch!

Viel hat sich seither verändert in beiden Teams. Zum Beispiel die Trainer. Mit der Verpflichtung von Sylvia Roll auf Dresdner und Ulf Quell auf Spergauer Seite – beide selbst erfahrene NationalspielerInnen - setzten beide Vereine deutliche Zeichen für die Zukunft. Umbruch und Nachhaltigkeit hießen die Ziele. Nervenstärke und Geduld waren dafür gefragt. Doch als erstes verloren die Dresdner nach nicht einmal einer halben Saison die Nerven. Kurz vor Jahreswechsel wurde Sylvia Roll von der Geschäftsleitung und dem Sportdirektor beurlaubt. Ein harter Schritt, der mit Kommunikationsproblemen zwischen Mannschaftskern und Cheftrainerin begründet wurde. Das neue Team an der sportlichen Spitze heißt nun Jan Pretscheck & Sven Dörendahl – es ist also wieder eine reine Männerrunde geworden in Dresden und das Alleinstellungsmerkmal mit einer Frau an der Spitze eines Bundesligavereins im Männerbereich ist dahin. Durch diesen Schnitt wollen die Dresdner nun wieder den Blick nach oben richten und reisen am Samstag extra mit einem Gastgeschenk im Gepäck an. Nach eigenen Angaben möchte man gern die „Rote Laterne“ an die Spergauer verschenken, doch in der Piratencrew ist keiner scharf auf diese großzügige Geste.

Von mangelnder oder problembehafteter Kommunikation ist beim Gastgeber der Partie keine Rede – nicht mal ansatzweise. In Gegenteil: Team und Trainerstab verstehen sich bestens und auch zwischen Management und Trainer gibt es regelmäßige und intensive Gespräche. Sicher ist dabei Hauptthema die Diskrepanz zwischen Trainings- und Wettkampfleistung der Mannschaft. Immer wieder bringen sich die Piraten selbst um den verdienten Lohn ihrer harten Arbeit und zaubern manch tiefe Furche der Nachdenklichkeit auf die Stirn der Verantwortungsträger. Und sicher spielt mit Blick auf das Mitteldeutsche Derby beim Nachdenken auch die vergangenen Enttäuschungen gegen Dresden eine Rolle. Doch aus keiner Richtung kommen auch nur ansatzweise Zeichen, die auf das „Verlieren der Nerven“ in Spergau hindeuten. Mit diesem Spiel gegen Dresden soll im Ergebnis des Nachdenkens und der harten Arbeit ein großer Schritt auf dem Weg der „Traumabewältigung“ getan werden. Vom Weg der Konsolidierung wird kein Stück abgewichen – doch ein Erfolg gegen Dresden würde diesen Weg in jedem Fall weiter festigen.

Im Anschluss an das Spiel wird es diesmal eine Autogrammstunde mit den Akteuren für die Fans geben.