Wie hält man eine galoppierende „Bisonherde“ – so der Kampfname des TV Ingersoll Bühl – auf? Dies wird sich Chefcoach der Piraten, Ulf Quell, in dieser Woche häufig gefragt haben. Und vor allem: Wo kann dieser ungleiche Kampf überhaupt stattfinden? Üblicher Weise durchstreifen Bisons die weiten Prärien und Wälder Nordamerikas, und es ist nicht viel überliefert zu den Schwimm- oder Segelkünsten der Paarhufer. Andererseits hatten die Piraten im gepflegten Gefecht zu Lande in den letzten Wochen so ihre Probleme und mussten einige bittere Niederlagen hinnehmen. Doch vor Wochenfrist schien dies vergessen. Das Wolfsrudel aus den sächsischen Wäldern wurde mit der bisher besten Saisonleistung erfolgreich auf ihrem Raubzug durch Spergau vertrieben. Dort war von Wasser weit und breit keine Spur. Bleibt also letztlich die Frage: Auf welchem Territorium sollten sich Bisons und Piraten nun treffen, damit das Duell unter einigermaßen ausgeglichenen Voraussetzungen stattfinden kann?

Vielleicht an einer flachen Wasserstelle, dort wo ein Fluss das Land mit dem Meer verbindet! An seichten Uferstreifen an denen Bisons gelegentlich verschnaufen, Wasser trinken, um neue Kraft für ihre ausgedehnten Streifzüge zu sammeln. Die Volleyballer aus Bühl dürften eine solche Verschnaufpause sicher bitter nötig haben, durchstreiften sie doch in den letzten Wochen sehr erfolgreich nicht nur die deutsche Volleyballlandschaft, sondern dehnten ihre Wanderungen weit nach Europa aus. Im europäischen CEV-Cup gastierten sie bereits im niederländischen Zwolle, im italienischen Cuneo und im griechischen Thessaloniki – und dies überaus erfolgreich. Erst am Mittwoch kehrte man nach einem 2-sündigen Tie-Break-Marathon aus der griechischen Metropole zurück. Mittlerweile gehören die Baden-Württemberger zu den europäischen Top-Acht in diesem Wettbewerb und messen sich mit französischen, polnischen und türkischen Spitzenteams. Quell bemerkt zu dieser rasanten Entwicklung gegenüber der MZ: „Bühl ist ein Paradebeispiel dafür, was man im deutschen Volleyball erreichen kann, wenn man investiert. Dann kann man auch oben in der Tabelle mitspielen“.

Aber zurück zur Flussmündung. Dort können auch die Piraten wieder an Land gehen und sich den Bisons zum Kampf stellen. Vielleicht gelingt auch ein kleiner Überraschungsangriff auf die ruhende Herde, denn mit frisch geschärften Säbeln nach der letzten Wolfsjagt kämpft es sich nunmehr wesentlich besser. Auch die beiden zuletzt etwas angeschlagen Crewmitglieder, Joren Zeeman und Casper Munk, sind fast schon wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte und werden sich tatendurstig ins Getümmel stürzen. Von einer Trendwende im Bundesligaalltag will Quell allerdings bisher noch nichts wissen. „Bühl ist ein ganz anderes Kaliber als Dresden“, weiß der Piratencoach. Deshalb gilt für sein Team: Die Leistung vom Dresden-Spiel nach Möglichkeit wiederholen und bestätigen. „Das ist mein Anspruch. Die Jungs werden jetzt daran gemessen“, verdeutlicht er die gewachsenen Ansprüche bei den Piraten für diese Schlacht. Es wird sich also zeigen, ob die Bisons oder die Piraten an der „neutralen Wasserstelle“ diesmal die Besseren sind!